#Getaegert – Clean Eating


Lecker? Gesund? Aber ist es clean? Nein, je nach Person gibt es auf diesem Bild drei bis vier Dinge die uns alle in den Abgrund stürzen werden. Mindestens! 😉

Glaubt man den Millionen Posts Fitnessbegeisterter in den sozialen Medien, so scheint es ein Allheilmittel für alles zu geben. Und zwar für Figurprobleme, Krebs, Diabetes, Kopfschmerzen und sonst noch alles. Das Allheilmittel heißt “Clean Eating” oder auch eben saubere Ernährung. Das ist absoluter Bullshit und das Wort “Clean” sollte im Kontext mit Ernährung im Leben nicht auftauchen.

“Clean” ist ein Problem. Denn “clean”, oder “sauber”, impliziert daß es einen Gegenpart gibt, eben unsaubere oder “dreckige” Ernährung. Deswegen gibt es dann auch keine “freie Mahlzeit” sondern es gibt “Cheatmeals.” Cheaten, das heißt Betrügen, sich selbst verarschen. Und das ist ebenso totaler Bullshit, wie das Wort Clean.

Das Problem liegt in der Bedeutung des Wortes an sich. Sauber kann alles sein. Es gibt viel zu viele Ernährungsrichtungen, die alle einer Ideologie folgen. Ideologie, nicht der Wissenschaft. Spielen wir das ganze doch einfach mal durch. Beginnen wir mit dem Vorzeigebeispiel, dem Veganer. Ein Veganer würde, sofern wir clean in den Mund nehmen, wohl direkt an vegane Ernährung denken. Keine tierischen Produkte und möglichst naturbelassen. Naturbelassen ist wichtig, da kommen wir gleich nochmal zu. Tierische Produkte wie Fleisch, Milch, Eier, Käse und alles was sonst noch daraus hergestellt wird, wären nicht clean für einen Veganer. Haferflocken, Hirse, Brot oder Sojamehl? Clean.

Der Vegetarier sieht das Ganze etwas gechillter. Milch und Eier gehen klar. Aber oft nur Bio, damit die Rinder und Hühner glücklich sind. Einige Vegetarier essen auch Fisch. Dann ist die Frage einfach: ist Fisch dann allgemein clean? Ist Fisch aus einer Zucht clean? Oder nur gefangener Fisch? Wenn der Fisch aber naturbelassen ist und der Fischpapa aus Fukushima Bay kommt, ist das dann noch clean?  Brot, Hirse, Spinat, Haferflocken und Weizenprodukte? Sind in Ordnung. Clean eben.

Die Low Carb Fraktion sieht das Ganze völlig anders. Clean bedeutet dort: Low Carb. Kohlenhydrate sind hier eher der Teufel und zu reduzieren. Wegen dem Insulin und so. Also wäre Steak clean. Der Low Carb Snob gönnt sich damit dann auch eher Biorind. Weils ja Bio ist. Butter? Clean! Spinat? Auch Clean! Früchte? nicht so clean, wegen der Fruktose. Brot? Der Teufel. Brot ist der Teufel? Oh Moment, da kommen die Paleo Leute.

Die Paleo Ernährung, die an sich doch einige sehr brauchbare Ideen über Ernährung mit an den Tisch bringt, ist in den letzten Jahren komplett Richtung Potato gegangen. Man sollte niemals Full Potato gehen, aber das tun Paleo Anhänger eigentlich eh nicht: Kartoffeln gibt es ja erst seit der Einführung der Agrarwirtschaft und unsere Gene sind darauf nicht eingestellt! Gluten in Weizen ist böse und Lektine in Hülsenfrüchten sind  der Teufel. Für jeden. Gutes Steak ist hier clean, aber nur wenn das Steak auch Gras gegessen hat. Soja ist nicht clean. Wenn das Tier Mais und Soja isst, ist es nicht grasgefüttert und damit schlechtes Fleisch. Das stimmt zumindest ein bisschen, aber schlechtes Fleisch ist es bei weitem nicht. Fleisch ist also clean, Früchte sind ok, Brot und Hülsenfrüchte sind der Teufel. Ok.

Kommen wir zu den Hardcore Paleotards. Hier schmeißt sich die Low Carb und Paleo Community zusammen und der gemeinsame Feind ist Insulin. Alles, was Insulin erhöht, ist der Teufel. Das heißt: Butter ist toll, Brot ist böse, Fleisch in Maßen. Nur hoher Fettgehalt und wenig Protein und Carbs. Alles andere ist dirty.

Je nach Programm, was jemand macht, wird auch etwas anderes als clean bezeichnet. Je nachdem, was derjenige, der sich die Diät ausgedacht hat, eben als sauber empfindet. Deswegen ist “clean” ein beschissenes Wort. Wer argumentiert, dass man clean essen sollte um gesund zu sein, sollte mit einem pinken Riesendildo verdroschen werden, bis eine gute Definition von “clean” aus demjenigen herauskommt. So mancher Bodybuilder definiert “clean” als eine Mischung aus Reis, Pute und Brokkoli. Immerhin Brokkoli.

Was mich aber ganz besonders nervt, sind Leute die “Chemikalien”  im Essen suchen. Beispielsweise Methylbutyrat oder Hexanal. Schlimm sowas. Besonders schlimm ist auch diese Docosahexaensäure und das Valin in Eiern, das sollte man verbieten! Wer es nicht gecheckt hat: Die ersten Zwei sind Geschmacksstoffe in Blaubeeren. Das Dritte ist eine Omega 3 Fettsäure, die entscheidend ist für die Gesundheit und Valin ist eine essentielle Aminosäure, ohne die wir nicht überleben könnten.

„Clean“ ist also ein Scheißlabel das gar nichts aussagt und eigentlich nur die eigene Unwissenheit und den Wunsch nach gesunder Ernährung unterstreicht. Fitnessmiezen die zuerst von “clean” und im nächsten Moment von irren Proteinpulvermengen reden, sind genauso behämmert wie Rohköstler, die der Meinung sind, ihr rohes Essen bringe ihnen mehr Nährstoffe.

„Cleane“ Ernährung gibt es nicht, es gibt keine sauberen und unsauberen Lebensmittel. Es ist alles ein Gradmesser. Manche Gifte die wir zu uns nehmen, verbessern unsere Gesundheit und in manchen Dosen retten sie sogar unser Leben. Überdosieren wir sie, hauen sie uns aus den Socken. Schokolade enthält Theobromin, ein Wirkstoff ähnlich wie Koffein. Ebenso enthält Schokolade die Grundstoffe für Phenylethylamin, die Vorstufe von Serotonin und Anandamid, ein Cannabinoid. Alle drei Stoffe können positiv auf die Stimmung wirken, weswegen sich Leute das Zeug auch als Frustfutter reinhauen. Schokolade wirkt ebenso blutdrucksenkend. Wenn man sich zwei Tafeln am Tag reinhaut, dann natürlich nicht mehr. Und wenn wir Theobromin einem Hund geben, wird dieser elendig verrecken.

Clean eating gibt es nicht. Es ist eine völlig idiotische Klassifizierung, die nur dazu dient, Zugehörigkeitsgefühl zu einer ideologischen Gruppe zu entwickeln. Seien es Bodybuilder, Fitnessmäuse, Veganer, Paleo Anhänger, Low Carbler oder Rohköstler. Und wer das Wort “clean” in den Mund nimmt, offenbart damit vor allem: Derjenige hat entweder absolut keine Ahnung von Ernährung oder will dich kräftig verscheißern. Beides ist eine Möglichkeit, denn “clean eating” Programme sind ein wachsender, lukrativer Markt.


Leeeeeeecker! Aber kann Hunde töten. Und vermutlich andere Tiere auch. Aber wir sind keine Hunde. Und keine Ratten. Aber das sind ja nur Details, oder?

Edmame: By Kanko* (Flickr) , via Wikimedia Commons

Schokotrüffel: By David Leggett (originally posted to Flickr as Truffles) , via Wikimedia Commons

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