Trainingsplan für Anfänger

Zwei entscheidende Fragen aus meiner Praxis sind: Wie soll ein Anfänger trainieren und noch wichtiger: Wer ist eigentlich Anfänger? Nun jeder, der seine anfänglichen Zuwächse nicht ausgereizt hat und sich bei ~15-20 Wiederholungen pro Workout noch innerhalb von 48 Stunden ausreichend erholt, den Workout zu wiederholen. Und das sind im Endeffekt viel mehr Menschen, als man glaubt. Auch mit fünf Jahren Trainingserfahrung treffe ich oft noch Anfänger, die im Kraftbereich noch von einem Anfängertraining profitieren können. 

Der erste Schritt für einen Anfänger ist das Erlernen von Grundmustern der Bewegung. D. h. Kniebeugen, Kreuzheben, Bankdrücken, Überkopfdrücken. In den meisten Fällen klappt das. Manchmal klappt das nicht. Wichtig ist, dass du dir anfangs die Technik richtig einprägst und daran arbeitest, aber auch die Gewichte steigerst. Wie du das machst, zeige ich dir gleich.

Wenn es mit den Grundübungen anfangs noch nicht gut klappt, gibt es Ansätze, sie zu umschiffen. Einer davon ist erst mal nur mit Maschinen zu arbeiten und später an den Grundübungen. Ein zweiter Ansatz ist es, die Grundübungen nur so zu beladen, dass eine gute Technik möglich ist und direkt danach mit Maschinentraining die Muskulatur nochmal richtig zu belasten, damit es einen größeren Trainingseffekt gibt. Es ist beispielsweise möglich mit einem Anfänger 2-3x die Woche jeweils an einer Grundübung zu arbeiten und den Rest der Trainingseinheit mit Maschinen zu arbeiten. 

Entscheidend ist dabei, dass die Übung Sinn macht. Niedrige Wiederholungen ergeben mit Maschinen weniger Sinn, da sie einfach wichtige zu lernende Bewegung darstellen.

Wer Kniebeugen lernen will, muss vorher lernen, eine Kniebeuge ohne Gewicht zu ausreichender Tiefe durchzuführen. Der einfachste Weg dorthin führt über Goblet Squats. Wer Kreuzheben lernen will, muss seinen Rücken gerade halten können. Der einfachste Weg dorthin führt über das Erlernen einer korrekten Hip Hinge entweder über gestrecktes Kreuzheben, rumänisches Kreuzheben, Kettlebell Deadlifts/Swings oder Pullthroughs mit dem Kabelzug. Ein korrektes Set-up ersetzt dies nicht. Für die Übungen auf der Bank gibt es kaum Alternativen, Overhead Presses sind ebenso nicht so einfach ersetzbar. Jeder Trainee muss zuerst lernen, eine korrekte, mobile Schulter zu haben, die der Bewegung nicht im Weg steht. 

Für alle diese Übungen habe ich eine detaillierte Anleitung in meinem Buch “Stärker Breiter Schneller”, dort findest du auch eine Anleitung, wie es nach dem Anfängerplan weitergeht. 

Sind die Grundübungen erstmal erlernt, was je nach Trainee von 30 Minuten bis zu einem Monat oder länger dauernd kann, ist Trainingsplanung für einen Anfänger denkbar einfach. Wir reduzieren die maximalen Wiederholungen pro Satz auf 5 Wiederholungen. Ab 6-7 Wiederholungen wird die Konzentration des Anfängers meist etwas schlechter.Zudem wollen wir, dass der Anfänger eine gute Ausführung lernt und sich nicht durch Anstrengung oder Ermüdung davon ablenken lässt. Wir wärmen mit 5ern auf, und erhöhen das Gewicht, bis sich die Geschwindigkeit der Ausführung verändert. Der Athlet wird langsamer, zeigt aber noch gute Form. Drei bis fünf Aufwärmsätze und drei Arbeitssätze sind hier komplett ausreichend, insofern wir steigern. 

Ein guter Trainingsplan für den ersten Monat kann so aussehen wie mein Anfängerplan:

Erster Monat

Workout ASätzeWiederholungenWorkout BSätzeWiederholungen
Warmup
Kniebeuge35Kniebeugen35
Bankdrücken35Military Press
/Stehendes
Frontdrücken
35
Rudervariante35Kreuzheben15

Zweiter Monat

Workout ASätzeWiederholungenWorkout BSätzeWiederholungen
Warmup
Kniebeuge35Kniebeugen35
Bankdrücken35Military Press
/Stehendes
Frontdrücken
35
Rudervariante35Kreuzheben15
Klimmzüge3MaxDips3Max
TrizepsübungBizepscurl38-10

Ab dem dritten Monat

Workout ASätzeWiederholungenWorkout BSätzeWiederholungen
Warmup
Kniebeuge35 (+1×10-15)Kniebeugen35 (+1×10-15)
Bankdrücken35 (+1×10-15)Military Press
/Stehendes
Frontdrücken
35 (+1×10-15))
Rudervariante35Kreuzheben35
Klimmzüge3MaxDips3Max
TrizepsübungBizepscurl38-10
Schulter Schocker 2.0120Schulter Schocker 2.0120
Rumpfübung, Beugung38-10Rumpfübung, Rotation38-10

“Das wars? Im ersten Monat nur drei Übungen? Spinnt der Frank jetzt völlig
oder wie?” Nein, das ist eines der für Anfänger am besten funktionierenden, mir bekannten Programme. Egal welches Ziel du hast, ob du stärker werden willst, für einen Sport trainierst, ein wenig Gesundheit oder Bodybuilding betreiben willst: Das hier ist eines der besten Programm, das du machen kannst.


Das Programm folgt dem folgenden wöchentlichen Zyklus:


ABA BAB

In der ersten Woche werden zweimal Workout A durchgeführt, einmal
Workout B. In der darauf folgenden Woche zweimal Workout B, einmal Workout A. Damit kommt man auf eine hohe Trainingsfrequenz von 3x pro Woche bei Kniebeugen und 1.5x pro Woche bei Rudern, Bankdrücken, Frontdrücken, Kreuzheben. Das ist zwar Blödsinn, aber wenn du sie eh machst, dann wenigstens in der richtigen Trainingseinheit. Im ersten Monat sind keine Assistance Lifts vorgesehen, im zweiten Monat kommen Dips und Klimmzüge sowie die Assistance Lifts dazu. Eine andere Möglichkeit ist das Rudern mit Power Cleans oder Trapbar Jumps abzuwechseln. Beide sind jedoch technisch anspruchsvoller und erfordern Videoanalysen. Im dritten Monat kommen Rotationsübungen und Backoffsätze hinzu. Welche du wählst, ob Wood Chopper, Band Rotations oder Cable Lifts, spielt dabei keine Rolle. Eine kleine Änderung zur ersten Version dieses Plans in meinem Buch ist, dass wir aufgrund der Nachfrage eine Beugungsübung für den Bauch machen, beispielsweise nehmen wir Situps oder eine Bauchmaschine. Die zweite Änderung ist die Nutzung des Schulter Schocker 2.0, den ich von Joe DeFranco adaptiert habe, du findest ihn hier: https://www.youtube.com/watch?v=WRjk5NfnsDw

Das erste Workout

Der Schlüssel dieses Programms liegt in der konstanten Steigerung der Gewichte in kleinen Schritten. Diese Steigerung findet immer dann statt, wenn du in sehr guter Ausführung drei Arbeitssätze mit fünf Wiederholungen geschafft hast. Für die ersten Monate solltest du dein Gewicht in jedem Workout um 1-2.5kg steigern. Das erste Training beginnt mit einer LEEREN Stange. Du übst die Bewegung, arbeitest mit der Stange für fünf Wiederholungen und erhöhst das Gewicht nun um 2.5kg-5kg pro Hantelseite um insgesamt 5-10kg. Du absolvierst nun wieder fünf Wiederholungen der Übung und achtest dabei darauf, die richtige Technik zu haben.

In meinem Buch Stärker Breiter Schneller findest du Bullet Points in den Kapiteln zu jeder Übung. Du wiederholst dieses Spiel bis du einen Satz ausführst, bei dem entweder deine Technik nicht mehr akzeptabel ist oder aber die Stange in der Bewegung langsamer wird. Sollte deine Technik noch nicht in Ordnung sein, übe die jeweilige Übung. Und halte dich an die Übungen am Anfang des Mobility Kapitels. Das Gewicht wird NICHT bis zum Versagen bewegt. Wenn du denkst, du schaffst keine weitere Wiederholung mehr, lege das Gewicht ab. Dass du versagst und die Wiederholung mit Hilfe durch den Spotter oder deine Safeties (Du hast doch Safeties, oder?) beenden musst, sollte der Ausnahmefall sein. Als Anfänger solltest du deine Sätze beenden, wenn du das Gefühl hast, die nächste Wiederholung kann nicht klappen. Lass 2–3 Minuten Zeit zwischen deinen Sätzen.

Wie lange soll ich das machen?

Der Status eines Anfängers definiert sich dadurch, wie schnell er sich von einer gegebenen Belastung erholen und die Intensität der nächsten Trainingseinheit dann steigern kann. Der Körper passt sich bei einem Anfänger innerhalb von 48–72 Stunden an. Aus Erfahrung ist es so, dass die meisten Trainierenden ca. 3–5 Monate auf dem Programm verbringen. 3
Monate stellen die frühen Abgänger dar und 5–6 Monate sollten das theoretische Maximum darstellen, was ich mir als Trainer vorstellen kann. Jetzt werden einige den Taschenrechner zücken und sagen “Moment, 5 Monate mal 4 Wochen sind 20 Wochen, mit 3 Workouts macht 60 Workouts mit einer Steigerung von 2.5kg pro Workout… macht… 150kg Steigerung bei der Kniebeuge? Ist der bescheuert?” Nein, natürlich nicht.

Du sollst zwar steigern, aber nur dann, wenn du die Übung auch mit guter Form und ausreichender Geschwindigkeit absolvieren konntest. Nicht auf Teufel komm raus. Am besten filmst du dich selbst und beobachtest deinen Satz in der Satzphase selbst. Ist die Form gut gewesen, legst du beim nächsten Mal Gewicht drauf. Ist der letzte Satz sehr schwer und langsam gewesen, lässt du dir vielleicht eine Woche Zeit, bis du mehr Gewicht auflegst. Wichtig ist, wenn du mehrere Trainingseinheiten das Gewicht nicht mehr steigern kannst oder sogar nur vier Wiederholungen schaffst, dann hast du das Limit des Anfängerplans erreicht. Aus Erfahrung ist es sinnvoll, dann alle zwei Wochen das Gewicht zu erhöhen und zu prüfen, ob eine Erhöhung möglich ist. Geht das auch nur mit Mühe, ist es sinnvoll, den Plan zu wechseln.

Wo kommt man mit diesem Plan an? Das ist schwer zu sagen. Am Beispiel der Kniebeuge kann es sein, dass du mit einem Arbeitssatz mit 50-60kg startest und dich dann auch 110-120 x 5 hocharbeitest. Der stärkste Kunde, den ich je nach einem Anfängerplan hatte, hat den Plan mit 145 kg in 5 Wiederholungen beendet. Es ist nicht sinnvoll, diese Art plan bis zum geht nicht mehr zu melken. Wenn keine Steigerung mehr sinnvoll ist, solltest du in meinem Buch nach dem Plan für fortgeschrittene Anfänger sehen.