DNA/DNS – Gentests – Heilsbringer oder totaler Schwachsinn?

Gentests erscheinen einem als ein neuer Heilsbringer in der Fitness- und Ernährungsbranche. In Fitnessstudios werden Tests gemacht. Die Ergebnisse sagen einem, was für ein Gentyp man ist. Und daran wird dann die Ernährung festgemacht. Das nennt sich Nutrigenomik. Das Versprechen ist, dass man nun endlich richtig abnimmt. Die Realität aber, sieht anders aus. Auf dem heutigen Stand ist es eher eine reine Abzocke.

Was testen diese Tests überhaupt?

Bei den im Studio angebotenen Direct to Consumer Gentests wird meist eine Speichelprobe entnommen und in ein Labor gesendet. Das Labor typisiert dann bestimmte Gene. Daraufhin bekommt der Käufer eine Liste seiner Genvarianten und das Begleitpapier begründet dann, warum das nun bedeutet, dass man auf eine bestimmte Weise nun essen oder trainieren sollte.

Wie genau sind diese Tests?

Auf der einen Seite sind diese Tests toll, denn im Labor lassen sich sehr genau ein bestimmter genetischer sogenannter „SNP“ und seine Varianten darstellen. SNP steht für Single Nucleotide Polymorphism, ein Teil des Genoms, der verschiedene Ausprägungen aufweist. Viel umstrittener ist, was diese unterschiedlichen SNP Varianten für den Menschen bedeuten. Denn auch wenn Hersteller es gerne behaupten, kein seriöser Wissenschaftler würde heutzutage auch nur ansatzweise behaupten, dass diese Tests etwas für die Praxis aussagen. Das Thema SNPs und sportliche Leistung habe ich ja bereits zur Genüge in meinem Buch und den frei erhältlichen Probekapiteln abgehandelt. Aber wie sieht es mit Ernährung aus?

BMI und Gene – Ist das Gewicht vererbbar?

Die erste Frage, die sich dann stellt, ist, ob das eigene Gewicht und der Hang zum Dickwerden vererbbar sind? Und die Zweite: Können mir meine Gene sagen, was ich essen soll? Interessant dürfte hier für die Verfechter einiger bekannter Theorien sein, dass es kaum einen Wissenschaftler gibt, der nicht sagt: Der Zuwachs an Fett ist von der Kalorienbilanz abhängig. Wer mehr isst, als er/sie verbraucht, nimmt zu. Und das bedeutet, dass wir eben auch mit mehr Übergewicht viel mehr essen als früher. Dabei gibt es sicherlich noch einige interessante Aspekte.

Ein Experiment aus dem Jahr 2001 zeigt, dass einige Menschen mit erhöhter Aktivität reagieren und 69% der zugeführten überschüssigen Kalorien direkt wieder verbrennen. Andere wiederum reagieren überhaupt nicht und nehmen 100% zu. In der Wissenschaft nennt man das „Resistance to overfeeding induced weight gain.“ Abgesehen davon ist es hochinteressant, dass der BMI vererbbar erscheint. 60-80% der Varianz im BMI sind vererbbar. Man schätzt, dass insgesamt 40% des BMI komplett vererbt werden. Zuerst könnte man auch denken, dass hier nur die Kultur der Eltern dran schuld ist. Und sicherlich trägt sie ihren Teil dazu bei. Studien an Zwillingen aber auch Adoptionsstudien zeigen uns allerdings, dass dieser Zusammenhang oftmals in sich zusammen fällt. Die Neigung dazu, mehr zu essen, ist somit ebenso vererbbar wie unsere Reaktion darauf.

Entscheidend ist im Endeffekt die Kalorienbilanz. Daran zweifelt kein einziger Forscher. Die Fragen, die sich die Forscher stellen, liegen an anderen Stellen. Haben einige Menschen mehr Hunger? Reagieren Menschen anders auf Essen an sich oder bestimmte Nährstoffe? Gerade letztere Variante spielt den neuen Anbietern, die Gentests für den Konsumentenbereich anbieten, in die Karten.

Was wissen wir wirklich über Ernährung und Gene?

Zuerst einmal müssen wir Krankheiten ausschließen. Defekte Beta-Zellen und damit verbundene Insulinresistenz können beispielsweise bei einem Insulinom – einer Krebserkrankung der Bauchspeicheldrüse – Fettleibigkeit erzeugen. Dies geschieht über eine Überregulation von Insulin durch den Tumor. Es gibt ebenso ein paar genetische Faktoren, die durch einen Gendefekt zu einer solchen Entwicklung beitragen können. Diese machen aber gerade mal 5% der möglichen Fälle aus, erklären somit also nicht die Problematik an sich. Es gibt einige Gene, die mit Insulinüberproduktion in Zusammenhang stehen. Beispielsweise das TCF7L2 Gen. Es wird vermutet, dass auch hier eine Art Defekt der Beta-Zellen im Pankreas die Problematik auslöst.

Ein weiterer Cluster, der für Forscher interessant ist, ist ein Cluster aus Genen, der den Fettstoffwechsel reguliert. Gene, die die Lipoproteine ApoA bis ApoE regulieren und beispielsweise das PPAR? regulierende Gen haben besondere Varianten, die den Fettstoffwechsel maßgeblich beeinflussen. Diese sind hochgradig interessant für die Wahrscheinlichkeit, ob jemand einmal Diabetes bekommt, zu hohe Cholesterinwerte hat oder zu Insulinresistenz neigen könnte. Aber auch dieser Cluster sagt uns nicht, was wir essen sollen. Er beschreibt die Funktionen, die der Fettstoffwechsel hat, nicht aber, wie wir ihn ohne Medikamente gezielt manipulieren.

Ein weiteres, genauso für den Freizeittrainierenden uninteressantes Feld sind Gene, die sich mit systemischen Entzündungsfaktoren beschäftigen. Diese sind für Forscher, nicht aber Sportler, hoch interessant. In dem ganzen Wust der Gene, die für den deutschen Fitnessstudiogänger einfach keine Relevanz haben, gibt es zumindest ein paar, die auch wirklich auf eine Interaktion zwischen Essen und Genen hindeuten.

Wer sich in der Fitnessbranche bewegt, hat bereits von Fischöl und der Wichtigkeit von Omega3 gehört. Und man glaubt es kaum, es gibt ein Fischöl-Gen. FADS2 sagt uns, wie gut eine Person aus ALA nun DHA und EPA herstellen kann. Mehr nicht. Ein Gentest könnte uns also sagen, ob wir lieber Leinöl oder eher Fischölkapseln zu uns nehmen sollten. Man mag es kaum glauben, aber: Für unsere Figur und unsere Fitness bringt das immer noch nichts.

Ein weiterer Faktor ist das sog. Thrifty Gene. Eine Hypothese besagt, dass entsprechende mit dem Gen ausgestattete Personen zu einer besseren Nährstoffverteilung neigen. Sie werden eher Fett. Andere wiederum, die genetisch anders ausgestattet sind, legen nicht so schnell zu. Und wir alle kennen diese Idee, dass ein Bekannter essen kann, wie er will, und nicht zulegt, jemand anders sieht einen Kuchen nur an und bekommt eine Speckrolle. Nun, diese Problematik ist teilweise richtig. Pima Indianer, die in Mexico leben, sind generell weit weniger fett als diejenigen ihres Stammes, die in Amerika leben. Und wie bereits vorher erwähnt, gibt es Gene, die die Aktivität eines Menschen beim überfüttern in die Höhe schnellen lassen. Diese Aktivität nennen wir NEAT, Non-Exercise Activity Thermogenesis. Trotz dieser Gene bleibt das Thema Kalorienbilanz der entscheidende Faktor. Studien an den Pima in Mexico haben ergeben, dass diese durchschnittlich weniger Kalorien aufnehmen und generell weniger gesättigte Fette, als ihre Stammesgenossen in Amerika.

Eine weitere interessante Interaktion gibt es zwischen mehrfach gesättigten Omega3-Fettsäuren und gesättigten Fettsäuren. Das PPAR-Gamma Gen beispielsweise wird in Personen mit niedrigerer Fettzufuhr in der Nahrung mit geringerer Wahrscheinlichkeit für eine Insulinresistenz und metabolisches Syndrom verknüpft. In Verbindung mit dem ACC2 Gen haben Forscher Unterschiede darin festgestellt, wie Omega6-Fettsäuren auf den Körper wirken. Die Apolipoprotein Polymorphismen APOA1 rs670 und APOB rs512535 werden beide mit einer höheren Wahrscheinlichkeit verknüpft, dass Träger bei höherem Fettkonsum zu metabolischem Syndrom neigen. Auf den ersten Blick erscheint das sinnig und ein Schritt in die Richtung personalisierter Nutrigenomik zu sein. Doch genauere Tests ergeben: Für die Fettmasse kommt es trotzdem immer darauf an, wieviel derjenige isst. Und damit kommt es wieder zu den Verhaltensfaktoren: Warum essen wir immer mehr? Einige können es dank ihrer Gene und NEAT abschütteln, andere nicht. Aber wieso haben einige Menschen mehr Hunger und sehen ihre eigenen Signale nicht und essen einfach immer weiter? Und da kommen wir nun zu den benannten Gentests. Denn was testen die überhaupt?

Welche SNPs werden getestet? – Das Fettgen FTO

Eine erste Überraschung: Die meisten Labore geben gar nicht vor dem Kauf öffentlich an, welche Gene sie testen. Erst versteckt in den Auswertungen, die jeweils 200-400€ kosten pro Test, gibt es Gewissheit. Der Witz dabei: Eine vollständige Typisierung aller bekannten Gene und ihrer Bedeutung gibt es vom Hersteller 23andme seit einigen Jahren weitaus günstiger. Nur gibt es dazu, dank der FDA die dies untersagt hat, keine bunten Prospekte mehr.  Aus diesem Grund ist es nötig, ein wenig in die Genetik einzutauchen und herauszufinden, welche Gene denn überhaupt bekannt sind und mit Gewicht und Essen in Verbindung gebracht werden. Wer nur seine Gene haben will, ist mit 23andme deutlich günstiger dran. Und bekommt deutlich mehr Daten. Der Vorteil kann somit nur in der Auswertung liegen.

Eines der Gene, das gerne getestet wird, ist das FTO Gen. Das Gen wird mit Fettleibigkeit in Verbindung gebracht. Man untersucht es daher zurzeit genauer, ebenso welche Auswirkungen es hat. Die bisher ernüchternde Resonanz: Das FTO Gen sorgt für eine bei einigen Personen verminderte Wirkung von Leptin sowie eine erhöhte Zirkulation des Hormons Ghrelin. Die Probanden mit FTO haben einfach generell mehr Hunger. Eine Auswirkung auf das Essen hat das nicht, derjenige ist nicht etwa besonderer Kohlenhydrat-, Fett- oder Eiweißverwerter. Derjenige hat einfach mehr Hunger als jemand mit einer anderen Variante des Gens. Der Nutzen einer Gendiät wäre also: „Oh sie haben Hunger? Ja, das kann sein, hier ist ihr Gen dafür.“ Es gäbe keinen Nutzen, FTO zu kennen. Außer einer Ausrede, warum man eben nicht aufhören kann zu essen. Dieses Gen war durchaus einmal nützlich, vor allem in der Steinzeit. Aber eine Ernährungsvorschrift lässt sich daraus nicht ableiten.

Welchen Nutzen haben Gentests denn bisher?

Forschung in der Biologie an sich ist ein komplexes Feld. Nur wenige Forscher sind in kleinen Bereichen absolute Spezialisten. So auch in der Nutrigenomik. Meistens schreien eher diejenigen, die nicht innerhalb des Systems stecken, nach praktischer Anwendung. Oft dauert es aber Jahrzehnte, bis man überhaupt eine wirkliche praktische Anwendung hat. Die Genetik war der Meilenstein der Biologie, der alles ändern sollte. Wie jeder neuartige, faszinierende Forschungsbereich brachte die Genetik erst Euphorie und dann, als klar wurde, wie verdammt komplex sie ist, eine gewisse Ernüchterung. Die Genetik und hier die Nutrigenomik, sind schwer vorstellbar komplex. Das Genom umfasst 20.000-25,000 proteinkodierende Gene und das wiederum sind nur 1.5% des bekannten Genoms. Um die Auswirkungen eines Gens in einer sogenannten Genome Wide Association Study, also einer Suche nach Verbindungen innerhalb des Genoms mit Effekten auf bestimmte Krankheiten oder Eigenschaften zu untersuchen, braucht es Daten von hunderttausenden Genträgern. Die haben wir inzwischen und es werden Supercomputer eingesetzt, die diese Modelle nun knacken sollen. Mit hochinteressanten Ergebnissen. Aber bevor wir nun in ein Zeitalter der Gen-Ernährungen oder DANN-Diäten springen, schauen wir uns lieber an, was die echten Forscher und Spezialisten zu dem Thema sagen.

Marjanne Senekal, Leiter der Abteilung für Human Nutrition der University of Cape Town, stellt ein ernüchterndes Fazit. 32 Positionen im Genom wurden identifiziert, die mit Übergewicht und Bildung von Fett an sich in Verbindung gebracht wurden. Und diese 32 Loci erklären zurzeit gerade mal 1.45% der Varianz an Fettleibigkeit.  Vergleichen wir dies mit dem Ergebnis der Vererbbarkeit von 40-70%, wird einem klar: Das Ganze ist im Moment ein totaler Witz.

Und keiner dieser Loci macht uns klar, ob wir nun ein Fettverbrenner sind oder ein Eiweißverwerter. Wenn ein Anbieter behauptet, er könne diese Verbindung klar herstellen, gibt es dafür nur ein Wort: Betrug. Die heutigen Gentests erlauben keinen Rückschluss auf eine personalisierte Ernährung. Das ist und bleibt totaler Quatsch. Keines der von den führenden Experten auf dem Gebiet publizierten Papers erlaubt bisher, eine solche Aussage mit nur minimaler Sicherheit zu tätigen.

Aber ich habe dadurch 2.5kg abgenommen?

Die Anbieter der Tests werben damit, dass man ein besseres Verständnis für seinen Körper bekommt und ihn somit „artgerecht“ behandelt. Das ist aus mehreren Sichtweisen erstmal falsch. Wenn wir wie die Genetiker davon ausgehen, dass ein Großteil unseres Genoms sich in der Steinzeit bis zu einem Zeitraum von vor 5.000 Jahren entwickelt hat, dann müssten wir eben diese Bedingungen wiederherstellen. Dazu gehören tägliche Bewegung zum Sammeln von Früchten oder Jagen. Dazu gehört der Kampf ums Überleben, ein der Tageszeit angepasstes Verhalten. Reizarmut durch Fehlen von Fernsehern, Smartphones und Laptops.  Man müsste auch dementsprechend im Winter frieren. Eine Studie aus der letzten Zeit hat gezeigt, dass das Frieren von Ratten die Darmbakterien der Ratten verändert hat, welche wiederum resistenter und weniger dick wurden. Wir wissen heutzutage nicht, was wir damals gegessen haben. Aber Cordon Bleu wohl sicher nicht. Abgesehen davon zeigt die Entwicklung der Lactosetoleranz, dass wir durchaus genetische Veränderungen in unter 2000 Jahren erzeugen konnten. Der Schrei nach einer artgerechten Ernährung für Menschen ist der Wunsch nach mehr Natur. Der Mensch will mehr Naturverbundenheit und verpasst dabei essentielle Konzepte wie die Chemie. Die Chemie, die genau diese Natur erklärt. Diese Denke sagt: Was in der Natur ist, ist gut. Was künstlich ist, ist schlecht. Das die Natur im Endeffekt Dinge wie Krebs, Raubtiere, Darmparasiten und die giftigsten Substanzen der Geschichte hervorgebracht hat, ist irrelevant. Wir nennen diesen logischen Fehler einen „Appeal to nature“ und mit dem Gentest wollen wir unsere eigene Natur verstehen, uns selber finden. Spirituelle Entwicklung und Versöhnung mit dem Körper durch Gentests eben. 

Wie erklären wir nun denjenigen, die mit einem solchen Konzept Erfolg hatten, das es nichts mit Genen zu tun hat? Ein wichtiger Faktor ist die Restriktion. Fast immer sagt ein solcher Test: Iss mehr von dem, weniger von dem anderen. Dadurch ergibt sich immer eine Umstellung der Ernährung, die oftmals die Kalorienbilanz nach unten schraubt. Der Konsument wird automatisch etwas genauer mit seinem Blick. Oftmals ist damit auch eine Intervention im Sportbereich verbunden. Durch die Bestätigung des Tests wird diese oftmals mit mehr Elan und weniger Abbrüchen durchgeführt. Man redet sich ein, dass man nun „das RichtigeTM“ für den eigenen Körper tut. Mit diesem Willen zieht man die Sache dann durch. Es ergibt sich ein Kaloriendefizit aus umgestellter Ernährung und erhöhter Aktivität, die Ergebnisse des Gentests bestärken den Sportler darin, das Ganze doch durchzuziehen und nicht zu zweifeln. Man tut das Richtige für seine Gene, bricht also auch mit niedrigerer Wahrscheinlichkeit ab.

Das Ergebnis liegt meist in 2-2.5kg Abnahme. Sicherlich gut, aber bei im Schnitt 10-15kg Übergewicht nur ein erster Anfang. Diese verdanken die Sportler ihrer nun etwas besseren Ernährung und dem Training. Da man aber nach der „Gen-Diät“ arbeitet, ist es natürlich die Diät und der Test, die hierfür den Applaus bekommen. Zuerst verarscht einen der Anbieter und dann bekommt man den Erfolg, indem man sich selber hinters Licht führt. Diesen Effekt kennen wir bereits von Low Carb Diäten, allen möglichen Detoxes, Eier Diäten und sonstigen in den letzten Jahrzehnten durchs Dorf getriebenen Ideen zur Ernährung. Der Unterschied ist hier: Das Preisschild. Ein Gentest kostet bei einem Fitness Anbieter zwischen 200 und ganzen 400€. Und das für eine Abzocke, die auf Forschung basiert, die frühestens in 10-20 Jahren erste echte Annahmen über das machen würde, was dem Konsumenten dort versprochen wird.

Zusammenfassung

Gendiäten sind im Trend. Da man hier etwas Echtes messen kann, bringen diese Gentests den Anschein von Legitimität mit sich. Und es gibt eben auch Forschung, auf der diese Tests aufbauen. Nur die Schlussfolgerungen, ob man nun ein Eiweißverwerter ist, ob man mehr Fett oder Kohlenhydrate essen sollte, ob man nun HIIT oder lieber langes Training auf dem Fahrrad machen sollte, sind größtenteils Humbug. Catherine Phillips von Centre for Diet and Health Research der Universität Cork schreibt in einem ihrer Paper über Nutrigenomik, dass personalisierte Ernährung in der Zukunft das Potential hat, eine der wichtigsten und effektivsten Interventionen der Neuzeit zu werden. Gleichzeitig weist sie darauf hin, dass wir im Moment noch weit davon entfernt sind. Jedes Gen, jede klinische Intervention muss auch durch klinische Studien in ihrer Effizienz geprüft werden. Sie weist darauf hin, dass wir vielleicht in der Zukunft die Möglichkeit haben, es zu nutzen. Joost und Kollegen beschreiben den Einsatz von Gentests für die persönliche Ernährung als höchst experimentell. Rimbach und Minihane beklagen, dass die Forschung bisher keine ausreichenden und vor allem sich widersprechende Resultate bietet. Die klarste Aussage zum Thema persönlicher DNA-Ernährung kommt von De Caterina: „We are not there yet.“ – Wir sind noch nicht soweit. Wenn also im Fitnessstudio oder beim Arzt ein begeisterter Verkäufer mit den Vorzügen dieser Gentests wirbt, gibt es eine passende Antwort: Vielen Dank, aber die Forschung ist noch nicht soweit.

Quellen

De Caterina, R. (2010). Opportunities and challenges in nutrigenetics/nutrigenomics and health.

Frayling, T. M., Timpson, N. J., Weedon, M. N., Zeggini, E., Freathy, R. M., Lindgren, C. M., … & Shields, B. (2007). A common variant in the FTO gene is associated with body mass index and predisposes to childhood and adult obesity. Science, 316(5826), 889-894.

Vanltallie, T. B. (2001). Resistance to weight gain during overfeeding: a NEAT explanation. Nutrition reviews, 59(2), 48.

Joost, H. G., Gibney, M. J., Cashman, K. D., Görman, U., Hesketh, J. E., Mueller, M., … & Mathers, J. C. (2007). Personalised nutrition: status and perspectives. British Journal of Nutrition, 98(01), 26-31.

Phillips, C. M. (2013). Nutrigenetics and metabolic disease: current status and implications for personalised nutrition. Nutrients, 5(1), 32-57.

Rimbach, G., & Minihane, A. M. (2009). Nutrigenetics and personalised nutrition: how far have we progressed and are we likely to get there?.Proceedings of the Nutrition Society, 68(02), 162-172.

Senekal, M. (2012). Genotype-based personalised nutrition for obesity prevention and treatment: are we there yet?: review article. South African Journal of Clinical Nutrition, 25(1), 9-14.

15 Kommentare
  1. Daniel
    Daniel sagte:

    Hallo Frank, du hast mir gerade ne Menge Geld für den Test gespart. Danke dafür 😉
    Für mich persönlich ist es echt schwer herauszufinden was die optimale Ernährung ist. Wenn man bedenkt was in den letzten Jahren alles für Tendenzen und Ratgeber erschienen sind, die alle gegenteiliges behaupten. Sei es Low Carb, Paleo, Vegan.
    Ich weiß, dass es vermutlich schwer und umfangreich ist das Ganze zu beantworten, aber was hältst du für eine optimale Ernährung? Und ich meine nicht nur im Hinblick auf Muskelaufbau sondern ganz allgemein.
    Vor allem würde mich interessieren wie du über Gluten, Low Carb und Milchprodukte denkst? Sollte man darauf verzichten bzw. Kohlenhydrate reduzieren? Bin echt verwirrt. 😀
    Ich hoffe, du findest die Zeit mir kurz zu antworten und falls du irgendwelche guten Bücher oder Artikel über Ernährung weißt, würde ich sie nur zu gerne wissen.

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    • Frank
      Frank sagte:

      Eine, die dir keinen Stress verursacht. Die deine Ziele erreichen lässt, deine individuellen Allergien berücksichtigt und auch deinen Geschmack. Und bei der du deine Makros erreichst und deine Mikronährstoffe deckst.
      Kurzum: Ausreichend Obst, Gemüse und Proteinhaltiges. Fleisch, Fisch, Milchprodukte oder eben Bohnen. Verarbeitete Produkte eben etwas reduziert, insbesondere Wurstwaren, wegen dem Pökelsalz.

      Low carb hat nur Vorteile, wenn es dir dabei hilft, deine Ernährung besser zu gestalten. Wenn du Probleme hast, Low Carb zu essen, macht es wenig Sinn. Es gibt genügend Studien die zeigen, dass Low Carb nicht nötig ist. Eine gut aufgebaute Low Carb Ernährung KANN aber helfen, wenn sie dir hilft, deine Kalorienzufuhr zu kontrollieren. Insbesondere Sättigung ist da ein Thema.

      Antworten
        • Semi
          Semi sagte:

          Eigentlich doch logisch was das soll ich kenne mich nich so gut damit aus dennoch eine normale Ernährung die einen immer weiter zum Zunehmen bringt Minus eine Mahlzeit – das führt sehr wahrscheinlich zu einem Kaloriendefizit und so zu einer Gewichtsabnahme.. Ist halt sehr einfach gedacht … Wenn man sein Essverhalten nicht ändert könnte das auch Erfolg haben allerdings braucht es wohl Durchhaltevermögen da es vorallem am Anfang einiges an unangenehmen Nebenwirkungen haben dürfte … oder sehe ich das falsch? Oben im Artikel meine ich rausgelesen zu hab das das der Kernpunkt ist.

          Antworten
          • Frank
            Frank sagte:

            Ja, richtig. Dadurch, dass viele Lebensmittelgruppen weggelassen werden, verringert sich oft die Energiezufuhr der gesamten Ernährung.

  2. Daniel
    Daniel sagte:

    Es geht also in erster Linie darum seine Makros und Mikronährstoffe zu decken ohne dabei zu viele Kalorien zu sich zu nehmen? Und dabei darf man auch Gluten und Milchprodukte konsumieren solange man nicht allergisch auf sie reagiert? Ich hoffe ich habe es richtig verstanden.
    Was ist mit Kohlenhydraten, es gibt ja viele Studien, dass sie negativ für den Menschen sind, da er sich an sie noch nicht wirklich anpassen konnte und sie deshalb für viele westliche Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson etc verantwortlich sind.

    Antworten
    • Frank
      Frank sagte:

      Es gibt eigentlich kaum Studien, dass sie negativ für einen sind. Es gibt Studien, die Probleme zeigen, bei denen die Verarbeitung gestört ist und insbesondere bei Diabetikern und Insulinresistenz tauchen bestimmte Dinge öfters auf. Parkinson und Alzheimer eben. Da geht es vermutlich um eine Erhöhung des Insulinspiegels und damit die Bindung von Insulysin, das ansonsten für den Abbau von AGEs im Hirn zuständig ist. Wie gesagt kein Problem wenn nicht Diabetiker, ansonsten nen wenig intermittierend fasten, done. Nicht unbedingt nötig, Carbs zu reduzieren.

      Antworten
  3. Miguel Prieto Lorenzo
    Miguel Prieto Lorenzo sagte:

    Pima Indianer, die in Mexico leben, sind generell weit weniger fett als diejenigen ihres Stammes, die in Amerika leben.
    Ist jetzt Mexiko in Asien?

    Antworten
  4. Franziska Rößler
    Franziska Rößler sagte:

    Hallo,
    Ich denke das sinnvollste von allem ist immer noch eine ausgewogene und gesunde Ernährung und Bewegung, Bewegung und nochmals Bewegung.

    LG

    Antworten
    • Frank
      Frank sagte:

      Was immer das eben auch heisst, eine „ausgewogene Ernährung“ ist kein fassbarer Begriff, das kann alles mögliche heissen. Ebenso eine „gesunde“ Ernährung, was auch immer das eben ist. Und Bewegung ist auch mannigfaltig, da kann Yoga, Fussball und Krafttraining drin sein, bewegen tut man sich immer.

      Antworten
  5. Roxana
    Roxana sagte:

    Hallo, was ist mit den Nahrungsmittelunverträglichkeitstests? Sehr viele solche Tests werden auch verkauft und viele sehen sie auch als “Geld verschwendet “. Ich meine hier nicht die basic tests (Laktose, Gluten), sondern die Tests die Verträglichkeit von bis zu 300 Nahrungsmittel prüfen. Vielen Dank!

    Antworten
    • Frank
      Frank sagte:

      Diese testen vor allem, ob du das entsprechende Lebensmittel mal gegessen hast. Nicht, ob du darauf reagierst. Diese sogenannte IgG Tests sind sehr unzuverlässig leider.

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